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Julie Leuze, Autorin

Julie Leuze, Autorin

Das australische Abenteuer geht weiter …

Die junge Emma Scheerer lebt mit ihrem Mann Carl, einem Forscher, in der australischen Wildnis. Als Emmas Freundin Purlimil Zwillinge bekommt, verlangt ihr Clan, dass das Zweitgeborene nach Aborigines-Tradition getötet wird; doch Emma adoptiert das Baby. Dayindi, der law man des Clans, fürchtet, dass Emma mit ihrer Tat den Zorn der Geister auf sich gezogen hat. Tatsächlich passieren in der Folge seltsame Dinge, schließlich verschwindet Carl spurlos. Ist das die Rache der Geister? Oder steckt vielmehr ein alter Feind dahinter, der sich an Emma und Carl rächen will?


Der Ruf des Kookaburra
Roman
Goldmann, November 2013
416 Seiten, Taschenbuch,
Klappenbroschur
9,99 €
ISBN 978-3-442-47843-9
Auch als E-Book erhältlich


„Endlich geht es nach ‚Der Duft von Hibiskus‘ mit Emma und Carl Scheerer weiter. Die selbstbewusste Heldin lässt sich auch in der Fortsetzung nicht beirren und handelt so, wie ihr Herz und ihr Verstand es ihr befehlen. (…) Zwischen vielen Wendungen und Überraschungen hat Julie Leuze erneut ein Auge für die Schönheit Australiens und glänzt mit sehr gut recherchierten Hintergrundinfos zu seinen Bewohnern und Sitten. Zwischen jeder Menge Abenteuer und Intrigen bleibt aber auch wieder genug Platz für die wahre Liebe.“
– loveletter-Magazin, Dezember 2013

„Erneut beste Unterhaltung, die einen in fremde Welten entführt, begeistert und mitnimmt auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle und Gewissenskonflikte. Ein Buch für Herz und Verstand.“
– coala, amazon

„Die tolle Kulisse Australiens, Spannung, Liebe und interessante Details aus dem Leben der australischen Ureinwohner haben mich gefangen, gefesselt und wunderbar unterhalten.“
– www.manjasbuchregal.de


Leseprobe

Am späten Nachmittag verließen Emma und Carl ihr Zelt, um ein dringend nötiges Bad im nahen Bach zu nehmen.
Sie hatten sich ihre gemeinsamen Bäder schon bald nach der Hochzeit angewöhnt. Versteckte Plätze dafür gab es am Laufe des wilden Baches genug. Emma liebte es, mit Carl das frische Wasser zu genießen, und mehr noch liebte sie das Gefühl von Intimität und Vertrauen, das sich dabei zwischen ihnen einstellte.
Purlimil, die vor ihrer Rindenhütte hockte und im Feuer stocherte, den riesigen Babybauch zwischen den Knien, grinste ihr wissend zu. Emma grinste zurück. Sich zu schämen, weil sie sich mit Carl am helllichten Tag der körperlichen Liebe hingegeben hatte – und jeder hier es ahnte -, hatte sie längst aufgegeben. Sexualität galt im Clan schließlich als ebenso natürlicher Teil des Alltags wie Schwangerschaft und Geburt. Alles gehörte zum Kreislauf des Lebens, das mit dem Tod endete und in eine Wiedergeburt mündete.
Es war eine völlig andere Sichtweise als die, die man Emma in ihrer strengen schwäbischen Heimat beigebracht hatte, und so hatte sie eine Weile gebraucht, bis sie die Unbekümmertheit der Eingeborenen hatte übernehmen können. Aber Deutschland und Emmas Erziehung waren weit, weit weg; die Mutter war tot, und der Vater hatte nie auf Emmas Brief geantwortet; Carl und die Schwarzen hingegen waren ständig um Emma herum. Warum sollte sie sich mit deutscher Prüderie belasten, wenn es niemanden gab, der dies von ihr forderte?
Außerdem, dachte Emma, als sie nun mit Carl durchs Lager schlenderte, außerdem will ich mich ja anpassen.
Deshalb lebte sie schließlich hier: um das Clan-Leben von innen kennenzulernen und zu begreifen.
Sie fand, dass sie in ihren Bemühungen schon ziemlich weit gekommen war. Allerdings musste sie auch zugeben, dass es ganz ohne die Errungenschaften der modernen Welt doch nicht ging. Mit der Hütte zum Beispiel, in der sie ganz zu Anfang gewohnt hatten, hatte Emma sich einfach nicht anfreunden können. Nichts als Rindenstreifen und Gras um sich herum zu wissen, war nichts für sie. Deshalb wohnten sie und Carl inzwischen in einem großen, weißen Zelt, das nicht nur wasserdicht war, sondern vor allem auch komplett geschlossen werden konnte und ihnen so das Gefühl gab, unbeobachtet zu sein.
Anders als die Schwarzen besaßen Emma und Carl auch keinen Dingo als Wärmespender, sondern warme Decken. Und auch Kleidung trugen sie weiterhin, Anpassung hin oder her. Lediglich auf Krinoline und Korsett verzichtete Emma gerne.
In regelmäßigen Abständen ritten sie außerdem gemeinsam nach Ipswich, um zur Post zu gehen, ihre Berichte an die Kolonialregierung abzuschicken und sich mit den unabdingbaren Gütern der Zivilisation zu versorgen wie Zahnpulver, Seife, Papier und Tinte. Emma besaß Haarbürsten und einen kleinen Spiegel, und Carl rasierte sich alle paar Tage.
Man konnte nicht alles ablegen, was einem einmal wichtig gewesen war, da waren die beiden sich einig.
Immerhin hatten sie ihre Essgewohnheiten geändert. Morgens frühstückten sie Mehlfladen oder Früchte, aßen manierlich vom Teller und tranken Wasser aus Zinnbechern; das Abendessen jedoch nahmen sie mit dem Clan in großer Runde ein. Sie aßen dann das, was alle aßen – und vor allem wie sie es aßen: mit der Hand, ob es nun roh oder gekocht war, trocken oder triefend vor Blut und Fett. Ein bisschen eklig fand Emma das noch immer, versuchte aber, es sich nicht anmerken zu lassen.
Wo man es ihr gestattete, nahm Emma auch an den Bräuchen und Alltagsverrichtungen der Frauen teil, so dass sie detaillierte Berichte an die Kolonialregierung schreiben konnte, mit Erkenntnissen, die jedem männlichen Forscher verschlossen geblieben wären. Denn die „Frauenangelegenheiten“, wie die Schwarzen es nannten, waren in großen Teilen strikt von den „Männerangelegenheiten“ getrennt. Oh ja, dachte Emma zufrieden, sie war der Regierung als Forscherin von Nutzen! Wenn sie auch manchmal unsicher war, wie sie ihre Beobachtungen in eine wissenschaftlich verwertbare Form bringen sollte, so stellte dies doch kein ernsthaftes Problem dar. Denn Carl stand ihr in allen Fragen, die sie als Forscherin hatte, mit Rat und Tat zur Seite.
Was täte sie nur ohne ihn? Carl war nicht nur ihr Geliebter und Ehemann, sondern auch ihr Lehrer. Alles, was sie über wissenschaftliches Arbeiten wusste, wusste sie von ihm; alle Schwierigkeiten ihres neuen Lebens meisterte sie nur, weil Carl bei ihr war. Manchmal machte Emma seine Überlegenheit fast ein bisschen Angst. In solchen Augenblicken dachte sie, dass sie Carl nicht minder lieben würde, wenn er einmal nicht stark, sondern schwach und unvollkommen wäre. Aber noch hatte sie keine Gelegenheit bekommen, ihm das zu beweisen.
Ihm – und sich selbst.
Carl fiel ihr nachdenklicher Ausdruck auf, und er lächelte sie an. „Wir sind da, Amazone. Bereit für den Sprung ins kalte Wasser?“
Sie hob die Hand und strich ihm eine schwarze Locke aus der Stirn. „Mit dir immer, Carl.“
Nach einem Blick auf das schäumende Wasser setzte sie ehrlich hinzu: „Na ja, vorausgesetzt, es ist nicht allzu kalt.“
„Ach, die gnädige Frau will eine Badewanne?“ Carl grinste. „Soll ich dir zu Weihnachten eine schenken, hm?“
„Gute Idee! Wir stellen sie einfach hier neben dem Bach auf.“ Emma lachte. „Dann badest du im kalten Wasser und ich im heißen.“
Amüsiert nahm Carl die Herausforderung an. „Umgekehrt, Emma. Schließlich bin ich der Mann, und du musst als gute Ehefrau alles dafür tun, dass ich es behaglich habe. Da haben deine Lehrer in Deutschland wohl einige Lektionen ausgelassen?“
„Kaum“, versetzte sie und stemmte die Hände in die Hüften. „Wahrscheinlich habe ich bloß nicht zugehört, sondern mir meine Konzentration für die wirklich interessanten Dinge aufgespart.“
„Was könnte interessanter sein als dein Ehemann?“
„Zum Beispiel folgende Lektion: Wer sich mit seiner Frau kabbelt und dabei zu nahe am Uferrand steht …“
Emma versetzte ihm einen Schubs. Es platschte laut, als er vollständig bekleidet in den Bach fiel.
„… der liegt schneller im Wasser, als er gucken kann“, ergänzte sie grinsend.
Prustend tauchte Carl wieder auf. Mit einer schnellen Kopfbewegung warf er sich das schwarze Haar aus der Stirn. „Na warte, Amazone!“, schnaubte er, stemmte sich hoch und griff nach ihr.
Keine Sekunde später war auch Emma im Wasser.
Die Kälte ließ sie nach Luft schnappen, doch dann schoss ein Energiestoß durch ihren Körper und sie fühlte sich, als müsse sie vor Lebensfreude bersten. Warum hatte sie sich auch nur eine Sekunde lang mit Grübeleien aufgehalten? Herrgott, sie war einfach glücklich! So glücklich, hier mit Carl im Bach herumzualbern, den Augenblick zu genießen und gleichzeitig eine gemeinsame Ewigkeit vor sich zu haben … so glücklich, dass sie überzuströmen schien.
Etwas keuchte im Dickicht.
Emma runzelte die Stirn, abrupt aus ihrem Freudentaumel gerissen. Sie starrte in die grüne Wildnis am Ufer.
Niemand.
Natürlich nicht!, schalt Emma sich und atmete tief durch. Hatte sie wirklich geglaubt, da verstecke sich jemand?
Fest entschlossen, das seltsame Keuchen zu ignorieren, schlang sie ihre Arme um Carls Hals. Sie nahm den nassen Hemdstoff wahr, der sich um seinen Oberkörper schmiegte und jeden Muskel überdeutlich zur Geltung brachte, und ihr fiel ein, wie sie vor vielen Monaten ebenfalls klatschnass voreinander gestanden hatten. Damals hatten sie gemeinsam Carls Pferd aus einem reißenden Fluss gerettet … und hätten sich danach am liebsten geküsst. Was sie natürlich nicht getan hatten, war sie doch noch Fräulein Röslin gewesen, und er ihr unnahbarer Forschungsleiter.
Sie lächelte kokett. „Mit nassen Kleidern hatten wir es von Anfang an, erinnerst du dich?“
„Und wie ich mich erinnere. Aber ohne nasse Kleider fühlt man sich noch besser, finde ich.“
Carl fing an, Emma auszuziehen, öffnete Haken, Ösen und Bänder und warf die schwere, mit Wasser vollgesogene Kleidung achtlos ans Ufer. Dann entledigten sie sich beide ihrer Schuhe, Carls Hemd und seine Hose folgten, bis sie nackt und eng umschlugen im Bach standen.
„Wir wollten uns doch waschen“, murmelte Emma an Carls Mund.
„Ja“, sagte er rau und hob sie auf seine Hüfte. „Aber das kann noch eine Weile warten.“
Sie schlang die Beine um ihn, knabberte an seinem Ohr. „Unersättlich, was?“
Carl schwieg. Abrupt hielt er in seinen Bewegungen inne.
Hatte sie etwas Falsches gesagt? Emma biss sich auf die Unterlippe. Sie löste sich von Carl und sah ihm forschend ins Gesicht.
Sein Gesichtsausdruck hatte sich vollkommen verändert, keine Spur mehr von Lust. Wachsam und angespannt blickte er um sich.
„Carl, was ist denn los?“
„Hast du nicht auch das Gefühl“, fragte er leise, „dass wir beobachtet werden?“
Du lieber Gott! Peinlich berührt spähte Emma in das Farndickicht. „Das sähe den Schwarzen aber gar nicht ähnlich. Sie neigen ja eigentlich nicht dazu, heimlich zuzuschauen, wenn man … ähm …“
„Du hast recht. Trotzdem, da ist irgendetwas, das spüre ich.“
„Ich auch“, gab sie zu.
Carl rührte sich nicht, sondern starrte konzentriert zum Ufer hinüber und lauschte. Auch Emma versuchte herauszufinden, was anders war als sonst.
Alles war still und friedlich, nicht einmal das Rascheln eines Tieres war zu hören.
„Vielleicht haben wir es uns nur eingebildet“, sagte Carl verunsichert.
„Das denke ich auch.“ Halbherzig schlug Emma vor: „Möchtest du trotzdem lieber zurück ins Lager gehen?“
Einen Wimpernschlag lang zögerte Carl. Dann schüttelte er entschlossen den Kopf. „Nein. Das wäre albern. Von einem vagen Gefühl sollten wir uns nicht ins Bockshorn jagen lassen.“
Emma lächelte erleichtert und schlang ihre Beine erneut um seine Hüften. „Ganz meine Meinung.“

3
„Hoppla, nicht so schnell, mein Großer! Sonst verlierst du mich noch unterwegs.“
Emma zügelte Orlando, bis er schnaubend auf der Stelle tänzelte.
„So, das war’s“, sagte sie und schwang sich aus dem Sattel. Ihre Knie zitterten, als sie auf dem steinigen Boden zu stehen kam. „Reite deinen schwarzen Teufel wieder selbst, Carl, und gib mir meinen sanften, wenn auch lahmen Engel wieder.“
Carl saß von Princess ab und verkniff sich ein Grinsen. „Tja, einen Versuch war es wert, oder?“
„Solange es bei dem einen bleibt“, murmelte Emma.
Sie schämte sich. Carl hatte sie gewarnt, dass Orlando zu wild für sie sei, und eigentlich wusste sie das auch selbst.
Aber hatte sie nicht in dem Jahr, das sie nun schon in Australien lebte, richtig gut reiten gelernt? Hatte sie ihre Angst vor großen Rössern nicht spätestens verloren, als sie Orlando aus dem Fluss gerettet hatten?
Also hatte sie Carl darum gebeten, bei ihrem heutigen Ausritt die Pferde zu tauschen; ihre brave weiße Stute gegen seinen feurigen schwarzen Hengst.
Sie seufzte. Das Ergebnis war eindeutig: Dass sie und Princess perfekt zusammenpassten, sie und Orlando hingegen überhaupt nicht, stimmte nach wie vor. Vielleicht sogar mehr denn je, wurde Orlando doch nur noch ein-, zweimal pro Woche geritten und genoss ansonsten ungestört sein freies Koppelleben mit Princess.
Die beiden Pferde gehörten Emma und Carl fast so lange, wie sie beide einander kannten. Sie hatten ihre erste gemeinsame Expedition mit den Pferden gemacht, und sie behielten sie auch, nachdem sie beschlossen hatten, fortan im Regenwald ihr Zelt aufzuschlagen. Während die Scheerers beim Clan lebten, blieben die Pferde einfach auf ihrer Weide im ehemaligen Forschungslager. Alle paar Tage kamen Emma und Carl, um nach den Tieren zu sehen, sie zu pflegen und zu reiten. Sie brauchten Orlando und Princess schließlich, um nach Ipswich zu kommen; das freie, einsame Leben der Tiere durfte auf keinen Fall in gänzlich ungezähmte Wildheit abgleiten. Orlando und Princess waren Reittiere, und das sollten sie auch bleiben.
Der schwarze Hengst schien da allerdings anderer Meinung zu sein. Emma stieg in den Steigbügel und schwang sich auf ihre stets gefügige Stute. Faul oder nicht, mit Princess lief man wenigstens nicht Gefahr, sich den Hals zu brechen.
„Machen wir uns auf den Rückweg“, sagte sie und drückte Princess die Fersen in die Flanken.

Die Pferde wieherten, als sie endlich auf ihre Weide zutrabten – oder vielmehr auf das Stück notdürftig bereinigte Wildnis, das ihnen als Weide diente. Emma, die längst ihre gute Laune wiedergefunden hatte, tätschelte Princess den Hals. Verwöhnt waren die Pferde wahrlich nicht: Ein einfacher Holzzaun hinderte sie am Weglaufen, das Gras auf der Weide war eher dürr als saftig, und das, was Emma und Carl als Bächlein zu bezeichnen pflegten, war bloß ein Rinnsal. Doch besser als im Regenwald war es allemal, denn dort konnten die Pferde auf Dauer nicht sein. Hier hingegen hatten sie sich von Anfang an wohlgefühlt; schon damals, als Emma und Carl mit ihrer kleinen Forschergruppe die verlassenen Hütten des Straßenbauingenieurs Mr. Hay in Besitz genommen hatten.
Ihre Gedanken schweiften zurück.
Damals hatten die Pferde ihre Weide noch mit den Lastochsen teilen müssen. Die Forscher hatten im Haupthaus und den Hütten Pflanzenstudien betrieben, hatten wochenlang hier gelebt und gearbeitet, hatten den Eukalyptuswald und schließlich den Regenwald erkundet. In dieser Zeit hatte auch Emma, obwohl sie eine Frau war, ihren Forschergeist entdeckt, und Carl hatte sie darin unterstützt. Alles war gut gegangen – bis der eifersüchtige Oskar sein wahres Gesicht gezeigt hatte.
Bis die Situation eskaliert war.
Bis Oskar Emma fast vergewaltigt hätte und sie zu den Schwarzen geflohen war …
Oskars gehässige Stimme, während seine Hände ihren Körper besudeln. Sein Atem, stinkend wie Pesthauch. Seine Drohung, dass sie es niemals vergessen würde.
Sie fuhr sich mit der Hand über die Augen, um die demütigende Erinnerung zu vertreiben. Warum musste sie bloß immer wieder daran denken? Vorbei, dachte sie, es war ein für allemal vorbei! Doch erst als sie Carls liebevollen Blick auf sich spürte, wich die Erinnerung der Gegenwart. Wenn Carl bei ihr war, war alles gut. Dann konnte ihr nichts und niemand etwas anhaben.
Emma ließ sich von Princess’ Rücken auf den Boden gleiten. Sie dachte daran, dass es leider auch die anderen Momente gab. Diejenigen, in denen sie fürchtete, sich niemals von Oskars Schatten befreien zu können – wenn Hass und Gewalt nur darauf zu lauern schienen, erneut über sie herzufallen. Würde sie je darüber hinwegkommen?
„Alles in Ordnung bei dir, Liebste? Du siehst ein bisschen blass aus.“
Carl saß ebenfalls ab. Er trat auf sie zu, und Emma spürte, dass seine bloße Existenz dazu imstande war, den Schatten in Schach zu halten. Dankbar lächelte sie.
„Alles in Ordnung.“
Carl legte ihr die Hand in den Nacken und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen. Die Dunkelheit wich dem Geschmack der Liebe, und als Emma den schweren Sattel von Princess’ Rücken hievte, die Stute festband und sich daran machte, ihr den Staub aus dem Fell zu striegeln, war die Vergangenheit ein weiteres Mal gebannt.
Mit Carl zusammen war sie unverwundbar.