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Julie Leuze, Autorin

Julie Leuze, Autorin

Selig am See – schön wär’s!

Die hübsche Sozialpädagogin Sarah will nur eines: ein harmonisches, geregeltes Leben in Konstanz am Bodensee. Gar nicht so leicht zu erreichen, wenn man einen chronisch untreuen Künstler als Freund hat und in einem Kindergarten arbeitet, in dem die Eltern genauso durchgeknallt sind wie ihr Nachwuchs.

Dass Sarah sich Hals über Kopf in den verheirateten Paul verliebt, macht das Ganze nicht einfacher. Eine glückliche Familie zerstören? Das würde Sarah niemals fertigbringen! Wenn da nur nicht dieses hartnäckige Gefühl wäre, dass der ebenso unnahbare wie attraktive Paul genau der Richtige sein könnte …

Während Sarah sich noch verzweifelt gegen die Liebe wehrt, vergnügt ihr Freund sich in aller künstlerischen Unschuld mit seinem backfreudigen Aktmodell. Konstanzer Zipfele, griechische Götter und eine badische Nymphomanin zerren ebenso an Sarahs Nerven wie die Intrigen, die im Kindergarten gegen sie geschmiedet werden. Und schließlich hebt ein dunkles Geheimnis Sarahs Welt endgültig aus den Angeln …


Selig am See
Roman
Silberburg-Verlag, März 2013
208 Seiten, kartoniert
12,90 €
ISBN 978-3842512412
Auch als E-Book erhältlich


„Julie Leuze schreibt sehr geistreich und humorvoll, niemals platt oder auf einen billigen Lacher aus. Sie kann mit Sprache umgehen und beherrscht die Kunst, völlig absurde Situationen so zu beschreiben, dass der Leser das Gefühl hat, dabeizustehen und das Geschehen als Beobachter zu verfolgen. Die Personen sind bis in die kleinste Nebenrolle sehr stimmig angelegt (…). Mir hat die Lektüre von ‚Selig am See‘ großen Spaß gemacht und ich empfehle es gerne jeder Leserin, die auf der Suche nach einer leichten Sommerlektüre ist.“
– amazon-Leserrezension

„Lustige, komische, seltsame Szenen, die einen hellauf lachen lassen (…). Auch die Romantik kommt nicht zu kurz.“
– www.lovelybooks.de

„Die Begegnung mit dem Aktmodell Imperia, die durchgeknallte Mutter Robs, die Enthüllungen Lydias in der Telefonberatung machen das Buch zu einem Lesespaß für Frauen. Leichte Leselektüre, gerne empfohlen.“
– ekz, 21/2013


Leseprobe

Ich war mit meinem Leben absolut zufrieden, doch, ganz ehrlich. Hatte ich nicht allen Grund dazu? Schließlich war ich eine Frau im besten Alter, nämlich siebenundzwanzig, ich hatte einen charmanten und talentierten Künstler als Freund, einen gut bezahlten Job als Erzieherin in einem privaten Kinderladen und eine hübsche Wohnung mit verwunschenem Garten. Außerdem wohnte ich dort, wo andere Urlaub machen: in Konstanz am Bodensee, auf dem malerischen Raiteberg im Stadtteil Petershausen. Wenn ich morgens zum Kinderladen lief, passierte ich auf meinem Weg oberhalb der Weinberge nicht nur den altehrwürdigen Bismarckturm, sondern konnte in der Ferne sogar die Schönheit der Schweizer Alpen bewundern. Okay, nur an sehr klaren Tagen und nur, wenn ich nicht allzu sehr in Eile war, aber trotzdem: Zumindest theoretisch war es mir vergönnt, Natur und Kultur schon auf dem Arbeitsweg zu genießen. Das war doch was! Das hatte nicht jeder! Ich konnte also nicht nur zufrieden sein, sondern sogar glücklich.
Das war es, was ich mir an guten Tagen sagte.
Dieser Montag war kein guter Tag.
Dabei fing alles ganz harmlos an. Wie immer blieb Rob liegen, als der Wecker klingelte, und wie immer gab ich ihm einen vorsichtigen Kuss auf die nackte Schulter, bevor ich aufstand, um mich für den Kinderladen fertigzumachen. Doch statt »Bis heute Abend« zu flüstern und wieder ins Koma zu fallen, öffnete Rob an diesem Morgen sein linkes Auge.
»Hab eine Überraschung für dich«, murmelte er. »Im Wohnzimmer. Hab die ganze Nacht daran gearbeitet.« Das Auge klappte wieder zu.
Von bösen Vorahnungen getrieben, sprang ich aus dem Bett. Überraschungen von Rob hatten es an sich, dass sie entweder extrem teuer waren (von meinem Geld bezahlt, denn Rob war ja Künstler und verdiente noch nichts mit seiner Kunst) oder experimentell bis zerstörerisch (denn Rob war ja Künstler und musste seine Visionen verwirklichen). Eine günstige, konventionelle Überraschung – wie etwa einen Strauß Wiesenblumen oder ein neues Gartenbuch – hatte Rob mir noch nie gemacht, und deshalb nahm ich mir nun nicht die Zeit, einen Morgenmantel überzuziehen. Nackt und panisch hastete ich durch den Flur in Richtung Wohnzimmer. Dann sah ich es.
»Mein Paravent!«, schrie ich und schlug mir entsetzt die Hand vor den Mund.
Umgeben von Acrylfarbtuben und steif verklebten Pinseln, die sich fest mit dem Parkettboden verbunden hatten, stand der Jugendstil-Paravent, den ich im letzten Sommer auf dem Flohmarkt erstanden hatte. Der Paravent war so wunderschön, dass ich den horrenden Preis des listigen Verkäufers bezahlt hatte, ohne nachzudenken oder zu feilschen. Das dunkle Holz war mit Pergament bespannt und mit Applikationen aus Messing und getriebenem Kupfer versehen – ein orientalisch anmutender Traum in Goldgelb und Schwarzbraun.
So jedenfalls hatte das Möbelstück bis gestern Abend ausgesehen.
Fassungslos starrte ich auf die dralle Nackte in Grün und Lila, die mir nun vom Mittelstück des Paravents aus zulächelte. Ihr Gesicht bestand lediglich aus einem grasgrünen Fleck mit Grinsemund, dafür war der Körper sehr plastisch und, wie mir schien, mit Tonnen von Farbe ausgearbeitet worden. Die Flügel des Paravents hatte Rob ebenfalls bemalt: Den linken zierten lila Katzen und den rechten geometrische Formen, die ich spontan als anstößig empfand.
»Gefällt es dir?«, fragte Rob hinter mir und schlang die Arme um mich. Offensichtlich hatte mein Schrei ihn doch noch gänzlich geweckt.
»Das war ein Carlo Bugatti-Paravent«, sagte ich schwach. »Weißt du, wie lange ich nach so einem gesucht habe?«
»Hat sich doch auch gelohnt«, sagte Rob zufrieden und küsste mein Ohrläppchen. »Das ist jetzt ein doppeltes Original: ein ›Carlo Bugatti – Rob Lohmann‹. Stilechter kann man das Wohnzimmer vom Atelier kaum trennen, oder?«
Ich drehte mich um und wollte ihm einen heftigen Vorwurf ins Gesicht schleudern. Wie kam er dazu, mein herrliches Möbelstück zu versauen, noch dazu, ohne mich vorher um Erlaubnis zu fragen?!
Doch als ich in seine vor Stolz strahlenden Augen blickte, schluckte ich den Vorwurf hinunter.
So ist es eben, wenn man einen Künstler als Freund hat, fuhr es mir durch den Kopf.
Robs rührend ungekämmte Locken und die Tatsache, dass wir beide nichts anhatten, taten ein Übriges, meine Wut zu dämpfen, und statt zu schimpfen, schmiegte ich mich seufzend an ihn. Rob war so naiv in seinem Schaffensdrang, dass er sich bei Aktionen wie dieser einfach keiner Schuld bewusst war.
»Es ist ein sehr … ausdrucksstarkes Bild«, sagte ich. »Aber kannst du nicht einfach eine Leinwand nehmen, wenn du malen willst? Müssen es immer meine Möbel sein?«
»Das verstehst du nicht, Süße«, murmelte sein weicher Mund in meinem Haar. »Künstler richten sich nicht danach, was praktisch ist. Sondern danach, was sie inspiriert.«
»Verstehe. Und dich inspirieren nun mal Paravents und nackte Frauen.«
»Genau.« Seine Hände strichen meine roten Locken hinab, die mir fast bis auf die Hüften fielen. »Nackte Frauen inspirieren mich auf vielfältige Weise. Willst du nicht zurück ins Bett kommen?«
Verlockende Vorstellung – aber der Kinderladen wartete. Widerstrebend schob ich Rob ein Stückchen von mir weg. »Falls du es vergessen haben solltest: Ich habe eine Arbeit, zu der ich pünktlich erscheinen muss.« Ich warf einen Blick über seine Schulter hinweg auf meine große, alte Bahnhofsuhr, ein weiteres Flohmarktschnäppchen. Sanft machte ich mich von Rob los. »Und diese Arbeit beginnt in genau 45 Minuten. Deshalb werde ich jetzt nicht mit dir ins Bett springen, sondern allein unter die Dusche.«
»Na gut. Ich bin dir nicht böse.« Rob zuckte mit den Schultern. »Einer muss ja schließlich das Geld verdienen.«