schließen

Julie Leuze, Autorin

Julie Leuze, Autorin

Eigentlich ist eine neue Liebe das Allerletzte,

wonach Biene Wierokat sucht. Schließlich hat ihr Mann sie gerade verlassen, ihre ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit gleichen eher einem Stolpern, und das exzentrische Au-pair Evica hat ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, wie Bienes Tochter Lilly zu erziehen ist. Doch dann lernt Biene den attraktiven Werbetexter Martin Pfänder kennen. Ein wahrer Traumprinz – oder doch eher ein zynischer Womanizer? Das herauszufinden fällt Biene nicht leicht, muss sie sich doch mit anonymen Briefen, einer rothaarige Zicke mit Faible für goldene Wasserhähne und ihrer esoterischen Freundin Susanna herumschlagen, deren kosmische Weisheit sich in dem Rat erschöpft: Ab in die Tonne mit dem Kerl! Martin kämpft unterdessen mit seinem cholerischen Chef Köbele, vielfältigen erotischen Versuchungen und nicht zuletzt mit sich und seiner Vergangenheit. Kann das Liebe werden?!

Julie Leuze und Olaf Nägele erzählen diesen launigen Frauen-Männer-Roman aus zwei Perspektiven und verleihen den Hauptfiguren einen jeweils eigenen Ton. Humorvoll, sinnlich und manchmal — schwäbisch!

 


Gsälz auf unserer Haut
Roman von Julie Leuze und Olaf Nägele
Silberburg-Verlag, Juli 2010
280 Seiten, kartoniert
12,90 €
ISBN 978-3-87407-983-9


„Dieses wunderbare Wechselspiel der Geschlechter mit ihren doch typischen Gedanken (man fühlt sich doch öfters ertappt, frau auch!) macht einfach Spaß und gute Laune.“
– amazon-Leserrezension

„Eigentlich wollte ich das Buch einer Freundin schenken, die Frauenromane verschlingt. Doch dann habe ich angefangen darin zu lesen und konnte es nicht mehr beiseite legen. Die unterschiedlichen Perspektiven von Martin und Biene auf ein und dieselbe (Liebes-)Geschichte machen „Gsälz“ zum besonderen Lesespaß.“
– amazon-Leserrezension


»Ja, Herrschaftszeita, gibt’s bei denne nix Rechts zom Essa. Alloi um die Kart zom Lesa, brauchsch ja an Übersetzer.« Missmutig ließ Robert die Speisekarte sinken. »Sauerkraut-Ritschert, Fisolen und Apfelkren – wer verstoht denn so ebbes?«
»Ich zum Beispiel«, sagte ich. »Es ist österreichisch, wie das ganze Restaurant hier. Waren Sie noch nie in Österreich, Robert?«
»Kannsch ruhig au du ond Bär zu mir sage«, brummte Robert. Dabei warf er mir einen Blick zu, der eher zu einer Morddrohung gepasst hätte.
»Also gut, ähm, Bär, warst du noch nie in Österreich?«, fragte ich.
»Noi, war i net. Was soll i denn do?«
»Österreich ist doch schön«, sagte Martin. »Zum Beispiel Wien, mit seinen prachtvollen Bauten und diesem lässigen Schmäh …«
»Oder Salzburg«, warf ich eifrig ein. »Ich habe da 2008 den >Jedermann< gesehen, das war herrlich.«
»Echt? Ich war 2008 auch da. Seit Jahren endlich mal wieder«, sagte Martin.
»Was für ein Zufall!« Ich schüttelte lächelnd den Kopf. »Vielleicht sind wir uns ja sogar über den Weg gelaufen.«
Martin schaute mir tief in die Augen. »Das kann nicht sein, daran würde ich mich erinnern. Du wärst mir hundertprozentig aufgefallen.«
Ich wurde ein bisschen rot.
»Mir wird gleich schlecht«, knurrte Gesa.
»Mir au, wenn i die Kart no weiter les«, sagte Bär.
Martin lachte nur und klopfte Bär auf die Schulter. »Halb so schlimm«, munterte er ihn auf. »Sicher gibt’s hier auch Spätzle.«
Bär warf mir einen anklagenden Blick zu, als sei ich an seiner ganzen Ernährungsmisere schuld. »Wenn’s hier Spätzle gibt, fress i an Besa«, grummelte er.
Ich verbiss mir eine unfreundliche Antwort und bemühte mich um eine innere Haltung voller Nachsicht und Geduld. Schließlich hatte ich ein Kind, also hatte ich darin eigentlich Übung.
»Weißt du denn nun, was du nimmst?«, fragte Martin seinen Freund.
»Wenn i net wois, was des älles isch, kann i au nix bstella«, sagte Bär mürrisch.
An Martins Stelle hätte ich ihm die Speisekarte um die Ohren gehauen. Doch Martin sagte nur: »Fragen wir doch die freundliche Bedienung.«
Der toppte mich ja noch an Geduld! Er musste sehr viele Kinder haben.
Die junge Dame trat an unseren Tisch. »Nu, wie kann isch Ihn’ helfen?«, fragte sie in lupenreinem Sächsisch.
Martin sah unschuldig zu ihr hoch. »Eine Frage: Aus welchem Teil Österreichs stammen Sie?«
Ich kicherte, und selbst Gesa schien sich das Lachen zu verbeißen.
Schnell schob Martin nach: »Mein Freund hier bräuchte nämlich Ihre Hilfe. Könnten Sie ihm wohl die Speisekarte übersetzen?«
Die Bedienung sah etwas verschnupft aus, doch sie meisterte die Herausforderung, vor die sie sich mit uns gestellt sah, mit Bravour. Tatsächlich dauerte es kaum mehr als fünfzehn bis zwanzig Minuten, um Bär davon zu überzeugen, der Küche des Hauses eine Chance zu geben. Er entschied sich schließlich für ein Wiener Schnitzel.
»Wie mutig von dir«, kommentierte Gesa an Bär gewandt, als die arme Sächsin endlich mit unserer Bestellung abzog.
Bär dachte noch bedächtig über eine Erwiderung nach, als Martin vorschlug: »Jetzt stoßen wir doch erst einmal an. Darauf, dass diese unglückselige Nummer mit der Nummer«, er lachte, »endlich ausgestanden ist.«
»Ausgestanden ist nicht ganz richtig«, sagte ich. »Es rufen immer noch täglich irgendwelche Leute an, die >TauBärs< Dienste in Anspruch nehmen wollen.«
Martin sagte: »Immerhin haben wir so die Gelegenheit bekommen, uns kennenzulernen!« Er strahlte mich an, und ich spürte, wie Gesa neben mir sich versteifte.
Mit giftigem Lächeln sagte sie: »Martin hat extra ein Konzert für diesen schönen Abend ausfallen lassen. Ist das nicht süß von ihm? Bryan Adams.«
»Bryan Adams? Das ist mein Lieblingssänger!«, rief ich begeistert.
»Vielleicht sollten wir beide hier abhauen und lieber den Rest des Konzerts genießen«, grinste Martin. »Ich glaube, wir würden uns auch ohne diese zwei Spaßkanonen amüsieren.«
Gesa setzte mit empörtem Gesichtsausdruck zu einer Antwort an, und ich hob, um Frieden bemüht, eilig mein Glas. »Wir wollten doch anstoßen. Also dann, auf … äh, Österreich.«
Bär wartete das umständliche Zeremoniell lieber nicht ab, er trank schon. Als der Fellbacher Riesling seine Kehle hinunterrann, sah er zum ersten Mal an diesem Abend zufrieden aus.
»Ist der Wein gut?«, fragte ich freundlich.
»Ha ja«, sagte Bär. »Der kommt ja au von hier.«